Graz-Mariazell in 3 Tagen

Vorab:

Bitte! Wer folgende Geschichte liest und vielleicht sogar die Strecke selbst geht, seid so nett und hinterlasst einen kurzen Kommentar – Danke!

Und so ergab es sich….

…das sich drei unerschrockene und fromme(?) Wandersleut auf den Weg machten, den Pilgerweg von Graz nach Mariazell unter die Hufe zu nehmen. Die Motivation war unterschiedlich, Markus, dem zwei 24-Stundenwettkämpfe im Jahr offenbar noch nicht reichen, wollte ursprünglich an seine Grenzen gehen und die Strecke in zwei Tagen zurücklegen, hat sich dann aber „für die Gruppe(!)“ etwas zurückgenommen, ich wollte schon länger mal weitwandern und wurde u.a. von Gert inspiriert (u.a. auch von seinem Geocache), und bei Thomas wars der Gruppenzwang. Und ein Kerzerl musste er auch anzünden.
Ziel der Reise war neben dem offensichtlichen Ort auch, diese in drei Tagen zu absolvieren und dabei auf alle motorisierten Hilfsmittel zu verzichten.

Tag 1:

Unser vereinbarter Treffpunkt war der Hilmteich, Zeit 06:30 Uhr. Thomas erschien also fast pünktlich um 06:00 bei mir vor der Haustür, worauf wir nach gemütlichen 30 Minuten warmgehen überpünktlich unser erstes Ziel ereichten, Keine Blasen oder Fussschmerzen bisher, Ha! Voll Easy das!
Die weitere Route verläuft bei bald strahlendem Sonnenschein ereignislos über Mariatrost bis kurz vor St.Radegund (3,5Std) , und dort gibt es den ersten Ausfall: Einer meiner wirklich gut eingegangenen Wanderschuhe (~8 Jahre) will nicht mehr und trennt sich irreparabel von seiner Sohle. Kurze Besprechung (Markus:“Ausschlusskriterium“) ergab die Sinnlosigkeit eines Weiterwanderns mit mangelhafter Ausrüstung, und so organisierte ich kurzerhand ein Taxi, das mich abholte, weiters nachhause zu den fast neuen Ersatzschuhen brachte, und schlussendlich nach Arzberg, dem inzwischen erreichten Zwischenziel der beiden Kollegen, zurückführte. Vielen Dank an dieser Stelle an Wolfgang!
Den Verzicht auf Motorkutschen konnte ich nun zwar nicht mehr einhalten, aber ich war immerhin wieder dabei (und hab mir noch 10km unehrenhaft „erspart“). Einer der beiden Kollegen beschwerte sich nun auch erstmals über den mühevollen Abstieg vom Schöcklkreuz, der die Knie schmerzhaft spüren liess.

Weiter gings nach Passail, dort gabs eine Labung beim örtlichen Spar, und nach einer kurzen Pause gings weiter Richtung Sommeralm, dem Tagesziel. War der Weg nun erst angenehm flach, dafür unangenehm asphaltlastig, änderte sich das bald auf angenehme Waldböden, die dafür umso steiler anstiegen. Ächz. Inzwischen bauten sich auch schon die ersten ernsthaften Wolkenformationen vor uns auf… Kurzer Labehalt noch am Ochsenhalt, wo uns Locals noch für unsere Tageskilometer bewunderten, und bald darauf (+1,5Std) trafen wir bei leichtem Regen auf der Weizer Hütte ein. Im Vergleich zu Hütten im alpinen Bereich eine Fünf-Sterne-Luxusherberge mit frischer Bettwäsche, warmen Wasser, Duschen, Handtüchern etc.. Dort noch eine unglaublich große Studelsuppe gegessen, die zum Preis von EUR 2,90 locker als Hauptspeise durchgegangen wäre, dann noch ein ähnlich großes Schnitzel mit Pommes (Davon die Hälfte für den nächsten Tag als Jause mitgenommen), und zusammen mit der üblichen Getränkebegleitung hat es uns dann bald abgefüllt ins Bett verschlagen.

 

Rückblickend war der Tag insofern beeindruckend, dass man die schon erreichten und noch zu erreichenden Zwischenziele oft im Blick hatte, also einmal den Schöckl von Süden, und viele Stunden später dann von Norden am Horizont verschwinden sah. Die großteils asphaltierten Wege waren nicht so toll. Gesamt 1988hm Aufstieg und 45,8km (-10), das in 11 Std Gesamtzeit mit 1:30 Std Pause.
Track Tag 1:

Tag 2:

Tagwache um 05:00, Blasen versorgen, das bestellte Frühstück war dann pünktlich um 05:30 bereit, und unserem Start um 06:00 stand nichts im Wege. Also gestartet, nach 5 Minuten hat mich dann Thomas dankenswerterweise auf meinen vergessenen Regenponcho aufmerksam gemacht, wieder retour…
Dann erstmals sehr angenehm in der aufgehenden Sonne über weiche Almböden bis zum Wirtshaus am Strassegg gegangen (1,5 Std), kurze Telefonpause, weiter zur Herrnalm (+2 Std), und nach weiteren 1:10 Std. auf der Schanz angekommen.

Dort sehr viele Leute, wir suchen aber die Einsamkeit, also nach einer kurzen Labepause weiter zur Stanglalm. Dieser Weg zog sich nun mehr als erwartet, obwohls auf der Karte nicht so weit aussah und auch die 300hm eigentlich niemand schreckten (1,5Std, 7km). Bei der dortigen Hütte gabs nun auch erstmals an diesem Tag die wohlverdienten Elektrolytgetränke, und wir gönnten uns 1 Std. Pause. Im Anschluss begann nun der berüchtigste Teil der gesamten Wanderung, der 800hm-Abstieg ins Mürztal. Hier freuten wir uns 1:40 Std lang über die nur für diesen Abschnitt mitgenommenen Wanderstöcke.
Ankunft in Mitterdorf, der langsam aufkommende Hunger führt uns zum hiesigen Spar, welcher sogar warmen (Käs-)Leberkäse führt. Harmoniert übrigens sehr gut mit Semmel und Senf.

So gönnen wir uns erneut 30 Minuten Pause, bevor wir zum Schlussanstieg des heutigen Tages kommen. Unser Tagesziel war auf Empfehlung eines Wegbegleiters der „Hochreiterer“, schlappe 500hm und 2 Std. später treffen wir dort auch ein. Nach insgesamt 11,5 Std. Tagesgehzeit enttäuscht uns dann die Information der ansässigen Oma, keine freien Zimmer mehr zu haben, nun doch etwas. AAARGH! Sie würde uns aber den „Zöscher“ empfehlen, der habe immer was frei. Weitere 30 eher schweigsame Minuten später, Ankunft beim Zöscher. Skeptischer Blick der Wirtin, etwas von 16 Feuerwehrleuten wird gemurmelt, sie schaut mal… Wir malen uns mangels Alternativen schon den Rückweg ins Mürztal aus, bis die Wirtin schlussendlich doch noch ein, bis dahin vergessenes (?), freies Zimmer findet. Immerhin mit fünf frisch bezogenen Betten, TV, Sat etc. Geil. Sollten wir einen Hunger haben, könnten wir uns auch noch an den Resten des „Buffets“ bedienen, das die FF-ler übriggelassen haben. Es hat knapp gereicht 🙂 Der Rest des Abends verlief dann sehr gesellig, die netten Feuerwehrmannen aus (?) waren recht trinkfest, später gesellte sich auch die Dame des Hauses mit einigen Nachspeisentellern dazu, und so kam es zu einer späteren Bettruhe.

Rückblick: Wettermässig hatten wir Glück (Kein Regen), auch die Hitze hielt sich in Grenzen, und bis auf den Abstieg ins Mürztal war der Weg großteils weich und leicht begehbar. Und mit dem Abschlussessen und -Trinken und der netten Bewirtung wäre ohnehin jeder Tag gerettet gewesen…

Gesamt 1400hm Aufstieg, 12 Std Gesamt und ~43,1km.

Track Tag 2:

Tag 3:

Bedingt durch die vielen notwendigen Elektrolytgetränke hatte einer der Mitpilger einen sehr tiefen Schlaf, der auch durch das ihm eigene LAUTE Schnarchen nicht gestört wurde. Mein eigener Kopf war leider nicht so betäubt, und so fiel das Verhältnis Schlaf- zu Wachzeiten deutlich schlechter aus, kurz: Ich war um 05:00 unausgeschlafen. Egal.
Wieder Blasen versorgen, reichliches Frühstück wieder pünktlich um 05:30, dann noch ein Gsatzerl ins „Hüttenbuch“ reinschreiben und für ein Foto posieren, und weiter gehts. Wenn auch etwas gebremster als am Tag 1, langsam merkt man die Strapazen der vorangegangenen Tage. Anfänglich ist das Klima zwar feucht, aber noch recht warm, doch der angekündigte Wetterumschwung bringt kurz nach dem Pretalsattel kalten Wind samt horizontalem Regen. Hier reift mein Entschluss, auf das Endziel zu verzichten…
Der Weg bis zum Nikolokreuz zieht sich nun ins unendliche, aber immerhin spüre ich dank taktischem Abkleben fast keine Blasen mehr. Thomas gehts nicht ganz so gut, und so machen wir kurz nach dem Nikolokreuz bei einer geöffneten Hütte einen 30 Minuten-„Tschechischen Halt (c)Markus“ samt kleinem Fußservice. Weitere verregnete 1:30 Std später treffen wir dann am Niederalpl ein, mein Entschluss zum Abbruch ist nun fertiggereift und ich rufe ein Taxi.

Thomas und Markus lassen sich im Gegensatz zu Ihren Füssen vom Regen aber nicht weichkriegen und machen sich nach einer Suppe auf den Weiterweg nach Mariazell, wo sie nach schlappen 5 Stunden/17km auch eintreffen.

Track Tag 3:

 



2 Antworten

  1. dominik sagt:

    Toller Blog. Danke. Da krieg ich wieder Lust auf Pilgern!

  2. Luc sagt:

    Ihr seid ja arg….hab für die gleiche Strecke 5 Tage gebraucht 😁

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